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Hasen in Fellbach

Bald keine echten Hasen mehr zu Ostern?

NABU fordert mehr Biotopflächen - Viele Feldhasen werden überfahren

Fellbach – Der Naturschutzbund NABU Fellbach, fürchtet um das Überleben des Feldhasen. Die Bestände seien wegen vieler Faktoren derart zurückgegangen, dass in vielen Gebieten schon kaum mehr Hasen zu sehen seien. In Fellbach müsse dringend die Biotopverbundplanung vorangetrieben und umgesetzt werden fordert der NABU, sonst würden sprichwörtlich bei Meister Lampe die Lichter ausgehen.

Macht sich der Feldhase bei uns vom Acker? Die Sorge um ein Aussterben des Feldhasens treibt Fellbachs Naturschützer um. Zwar hoppeln heute noch hier und da einige Hasen über das Schmidener Feld, doch nach Untersuchungen des NABU geht die Zahl der Langohren drastisch zurück. Auf manchen Feldern um Fellbach seien so gut wie gar keine Mümmelmänner mehr zu finden. Ein Zustand der laut Michael Eick, Naturschutzreferent des NABU Fellbach, mehr als Besorgnis erregend ist. Der Biologe, der seit 15 Jahren der Tierwelt auf dem Schmidener Feld auf der Spur ist, zählt die Hasen neuerdings mit teurer Spezialausrüstung und kann damit sehr genaue Zahlen ermitteln. Aber schon allein der Blick in die nüchterne Jagdstatistik offenbart das Drama: „Während noch vor 30 Jahren pro Treibjagd in manchen Jagdrevieren weit mehr als Hundert Hasen erlegt wurden, sind die Jäger froh, wenn sie heute noch ein knappes Dutzend zur Strecke bringen können. Wenn wir diesen Trend nicht stoppen, gehen bei Meister Lampe bald die Lichter aus!“ warnt Eick.

Die Gründe für den Rückgang lägen auf der Hand, so der Naturschützer. Zerstückelung des Lebensraumes durch Straßen und der Verlust der Biotopvielfalt sei auch in Fellbach unübersehbar. Man müsse nur einmal alte Luftbilder mit aktuellen vergleichen. „Es fällt sofort auf, wie viele wertvolle Flächen alleine in den letzten Jahren verloren gegangen sind. Die Schläge werden immer größer, während Hecken und Feldraine verschwinden.“ Seit die verpflichtende Flächenstilllegung, von der EU 1992 eingeführt, um die zu hohen Erzeugermengen im Ackerbau zu reduzieren, wieder abgeschafft wurde, habe sich die Situation drastisch verschärft. „Für die Natur war die Stilllegung ein wahrer Segen. Die Flächen hatten sich zu unverzichtbaren Lebensrauminseln für viele Wildtiere entwickelt“, berichtet der Biologe. Doch durch den Wegfall der Verordnung wurden die Flächen wieder zu Äckern umgebrochen. „Heute werden dort Energiepflanzen wie Raps oder Mais angepflanzt, nach dem Motto: Gestern noch ein Biotop – heute schon ein Maisacker.“ Hier habe man in Fellbach leider vergessen regulierend vorzubeugen. Ökologie bei der Energieerzeugung wurde gegen Ökologie im Bereich des Naturschutzes einfach durchgesetzt und damit wurde eine fortschreitende Monotisierung und extreme Industrialisierung der Landwirtschaft gefördert. In diesem Punkt müsse dringend nachgesteuert werden fordert der NABU. „In einer ausgeräumten Landschaft finden Wildtiere wie Feldhasen, Feldlerchen, Rebhühner oder Schmetterlinge keinen Lebensraum. Ohne ökologische Stilllegungsflächen und geschützte Biotope droht künftig Ostern ohne Osterhasen“, erklärt der NABU und erinnert an das Internationale Jahr der Biodiversität. 2010 müsse einmal der Schutz der Artenvielfalt Priorität haben. Dieses von der EU erklärte Ziel sollte in Fellbach nicht aus den Augen verloren werden.


 
Schon vor zwei Jahren forderte der NABU-Landesverband gemeinsam mit dem Landesjagdverband eine solche „ökologische Flächenstilllegung“, um mit Brachen gezielt die Artenvielfalt zu sichern. Möglich wäre das beispielsweise über so genannte flexible Ausgleichsmaßnahmen für Bauprojekte. Landwirte könnten flexibel auf ihren Äckern Rückzugsräume für Wildtiere anlegen und sich dieses Engagement von Bauträgern als Ausgleichsmaßnahme vergüten lassen. Die Stadt Fellbach könne Flächen in der Feldflur im Rahmen des Ökokontos für den Naturschutz einbringen, empfiehlt der NABU. Die Biotopverbundplanung, die zurzeit weiterbearbeitet werde, sei hierfür ein geeignetes Steuerungsinstrument. Nur müssten die bereits geplanten Maßnahmen auch endlich einmal realisiert werden. „Die besten Pläne bringen nichts, wenn sie in der Schublade liegen bleiben“, findet man beim NABU. Dringende Ansatzpunkte gebe es bei der Umstrukturierung der Feldflur im Zuge Biogas-Anlage. Das Vorzeigeprojekt, bei dem alle Landwirte zusammen mit der Stadt und den Fellbacher Stadtwerken an einem Strang ziehen, biete hervorragende Chancen einen wertvollen Beitrag für die Natur vor Ort zu leisten, betont Naturschutzreferent Eick. „Diese Chance sollten wir nicht verpassen – Meister Lampe & Co zuliebe, aber auch unseren Kindern. Wenn wir auch in Zukunft bei einem Osterspaziergang einen echten wildlebenden Hasen zu Gesicht bekommen wollen, dann müssen wir heute handeln.“

Der hohe Erholungsdruck Feldern durch Jogger, Walker, Inliner, Radfahrer, Hunde und vieles andere mehr sei laut dem Biologen indes nicht das Hauptproblem für Feldhase und Co. „Wildtiere können den Rummel bis zu einem gewissen Grad aushalten, vorausgesetzt es gibt ungestörte und sichere Rückzugsbereiche, in die sie sich zurückziehen können ohne von frei laufenden Hunden aufgeschreckt zu werden.“ Entscheidend dabei sei jedoch, ob gejagt werde oder nicht. Bestes Beispiel dafür seien die Stuttgarter Parkanlagen mit der höchsten Hasendichte im ganzen Land. Hier können die Mümmelmänner trotz unglaublich vieler Erholungssuchender ohne Gefahr leben, eine Bejagung ist in der Stadt nicht möglich, damit gibt es auch keine Beunruhigung der Tiere. „Die Feldhasen im Rosenteinpark haben keinen Grund, den Mensch zu fürchten – ein geradezu paradiesischer Zustand“, schwärmt der Naturschützer und empfiehlt: „Eine jagdliche Schonung sollte man für eine gewisse Zeit bei uns ausprobieren, bis sich die Bestände wieder deutlich erholt haben.“

Ein noch schlimmerer Jäger sei jedoch der Straßenverkehr. In der Statistik stehen die Jagdstrecken der Autos denen der Grünröcke mit ihren Flinten kaum noch nach. Landesweit gehen rund rund ein Viertel der getöteten Hasen auf das Konto von Kühlergrill und Autoreifen. Allerdings dürfte die Dunkelziffer noch weit höher liegen, da nicht alle Wildunfälle gemeldet werden. „Straßen wie die Waiblinger Westumfahrung haben dazu beigetragen, dass der Feldhase bei uns buchstäblich unter die Räder kommt“, klagt Eick. „Große Feldbereiche wurden durchtrennt und die Tiere, die über die Straße wechseln, werden häufig überfahren.“ Noch drastischer würde es werden, wenn der Nordostring als Fortführung der Westumfahrung auch noch die Landschaft zwischen Oeffingen und Hegnach durchtrennen würde, fürchtet der NABU. „Diesen Kampf um die letzten großen Freiflächen müssen wir gewinnen, sonst gibt es in Zukunft wirklich Ostern ohne Hasen.“

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