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Frühjahr 2014: Alarmierend geringe Zahl von Rebhühnern

Folgender Artikel von Tina Klein erschien am 4. März 2014 in der Fellbacher Zeitung.

 

Gemeinsamer Einsatz für das Rebhuhn
Jäger und NABU pflegen ein städtisches Grundstück und finden massenhaft Müll


„Das ist erst mal eine Menge Holz!“ so war das einhellige Urteil der beteiligten Helfer nach einem kernigen Einsatz mit mehreren Motorsägen und Freischneidern. Die gemischte Gruppe Naturschützer vom NABU Fellbach und der Fellbacher Jäger kann nach getaner Arbeit auf Berge von Schnittgut blicken – aber auch auf Berge von Flaschen und Müll. „Wir sind ziemlich schockiert über das Ausmaß der Vermüllung in unserer Hecke“, so Jagdpächter Matthias Rieger. Über 100 leer getrunkene Alkoholflaschen zogen die Männer aus den Sträuchern, vom Sekt bis Wodka, wobei die „Verpackungsmaterialien für Hochprozentiges“ deutlich überwiegen. Außerdem fanden die Helfer jede Menge Plastiktüten, Fischdosen und Gurkengläser. „Es sieht so aus als ob die Hecke systematisch zugemüllt wurde.“ Damit, so die Ehrenamtlichen von NABU und Jägerschaft, habe man bereits einen großen Anteil für die Gemarkungsputzete, die ja erst am 22. März stattfinden wird, geleistet. „Es ist nicht nur eine Riesensauerei, was hier alles einfach so weggeworfen wurde“, sagt Michael Eick vom NABU entrüstet, “es ist auch bei der Pflege für uns sehr gefährlich, wenn wir zwischen Glasscherben arbeiten müssen oder mit dem schnell drehenden Freischneider eine Flasche erwischen.“

 

RebhuhnAktion201403-01

Das schmale Grundstück zwischen Schmiden und Steinhaldenfeld, das die Jäger Ende der 1990er auf Initiative von Hagen Müller von der Stadt Fellbach gepachtet haben, eignet sich ideal für das Rebhuhn. Dort wurde eine Hecke angepflanzt und ein breiter Streifen Altgras stehen gelassen. „Das ist eine der wenige Flächen, auf denen mitten in der Feldflur noch ein bisschen Natur Platz hat“, meint Matthias Rieger, der sich um das Jagdrevier im südwestlichen Teil Fellbachs kümmert. Er und seine Kollegen wollen gerne mehr für die Hege des Niederwilds machen und sind froh, dass es dieses Grundstück gibt. Es soll künftig in enger Zusammenarbeit mit der Stadt Fellbach und dem NABU im Rahmen der Artenschutzkonzeption weiterentwickelt werden. Volker Schwörer vom Nachbarrevier freut sich über die Kooperation mit dem NABU Fellbach: „Es ist schön, dass wir zusammen etwas in die Hand genommen haben.“ Noch in diesem Frühjahr wolle man mit gemeinsamen Zählaktionen starten, um damit einen besseren Überblick über die Bestandszahlen Feldhasen und Rebhühnern zu haben.

 

RebhuhnAktion201403-02

Erster Schritt der Initiative für das Rebhuhn war jetzt die gemeinsame Pflege der Hecke, die in den letzten Jahren etwas zu hoch geworden ist. „Prinzipiell sind Hecken und Gehölzstrukturen ja ganz wichtig für das Rebhuhn“, erklärt Eick, der sich als Biologe seit vielen Jahren intensiv mit dieser Art beschäftigt und ihre Lebensraumansprüche genau kennt. „Kritisch wird es aber, wenn die Gehölze mehrere Meter hoch werden. Dann beginnen die Rebhühner solche Bereiche zu meiden.“ Grund sei nicht nur die Kulissenwirkung der hohen Bäume, sondern wohl vor allem, dass sich dann gefiederte Beutegreifer besonders gerne dort niederließen. „Wir wollen an dieser Stelle nicht unbedingt Rabenkrähe und Co fördern, die dann ab einer Höhe von zwei bis drei Metern ihre Nester bauen und den Biotopstreifen unterhalb systematisch absuchen.“ Rebhühner hätten da kaum eine Chance.

Die Dringlichkeit der Aktion wird deutlich, wenn man sich die aktuellen Zahlen der Winterzählung zu Gemüte führt. Der Rebhuhn-Experte Eick hat in den Wintermonaten abends und nachts die Felder systematisch abgesucht und berichtet von einem Besorgnis erregenden Ergebnis: „Die Population ist auf einem erschreckend niedrigen Niveau, die Zahlen sind so niedrig wie noch nie.“ Die Situation vor allem im westlichen Bereich sei absolut alarmierend. „In all den Jahren war es immer so, dass ich in jedem Feldabschnitt noch irgendwo mindestens ein oder zwei Paare finden konnte. Doch dieses Jahr gibt es viele Bereiche in denen einfach gar nichts mehr übrig ist. Null. Komplett leer!“ Mittlerweile seien die Vorkommen westlich der Gesamtstadt fast komplett erloschen. „Hier ist das Rebhuhn in riesigen Arealen völlig verschwunden. Gerade mal noch vier Paare sind hier zu finden. Im vorigen Jahr waren es noch mehr als doppelt so viele.“ Verglichen mit den Zahlen vor einem Jahrzehnt beläuft sich der Rückgang auf mehr als 80 Prozent.

 

RebhuhnAktion201403-03

Für Rieger und Schwörer ein Grund mehr zu handeln: „Wenn wir die sehr intensive Nutzung rings herum sehen, ist klar, dass das Niederwild so gut wie kaum noch Rückzugsmöglichkeiten hat.“ Auf den mit Plastik abgedeckten Feldern jedenfalls könne auf Dauer kein Tier mehr Unterschlupf finden. Die Fellbacher Jäger sind deshalb sehr froh, dass ihre Fläche wie eine Oase in der Landschaft ist und Zuflucht für die Tierwelt bietet. Möglichst noch in diesem Frühjahr soll der breite Streifen neben der Hecke als Ackerbrache mit einer speziellen Blühmischung eingesät werden, damit der Lebensraum weiter optimiert wird.  „Wir sind gespannt wie sich die Fläche entwickelt und hoffen sehr, dass sich dort dauerhaft ein Rebhuhnpaar niederlässt.“ Allerdings sei das nur der berühmte Tropfen auf den heißen Stein. Es müsse jedoch noch deutlich mehr solcher Flächen geben, damit sich langfristig eine stabile Population halten könne.

 

Bilder von Michael Eick und Tina Klein
 

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