NABU Gruppe Fellbach
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Projekt zum Schutz der Fellbacher Rebhühner

 

„Diamantenfieber“ – auf der Suche nach den letzten ihrer Art
Vogelkundler des NABU zählen die Bestände des Rebhuhns in Fellbach – Forschungsprojekt geplant

 

Sie sind unterwegs mitten in der Nacht und in der Kälte. Und sie haben eine Mission: die letzten Rebhühner ausfindig machen. Der Ornithologe Michael Eick und seine beiden Mitstreiter beim NABU Fellbach Karl Grzimek und Uwe Thieme haben sich zum Ziel gesetzt jeden einzelnen dieser Vögel aufzuspüren und zu zählen. Damit wollen sie einen Beitrag für das Überleben der seltenen Art leisten. Denn um das Rebhuhn zu retten, muss man wissen, wie viele es gibt und wo sie sind.

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Für die nächtlichen Zählungen sind die Vogelkundler ausgestattet mit Hochleistungsferngläsern, Speziallampen und einer lichtempfindlichen Digitalkamera, um die Zählungen zu dokumentieren. Außerdem sind die drei Männer je nach Wetter dick in Mützen, Schals und Handschuhe eingepackt. Die Suche findet zwar meist vom Auto aus statt, um die Tiere weniger zu stören, doch nach mehreren Stunden im Gelände kriecht die Kälte unerbittlich in die Knochen. Und dieser lange Winter ist für die Zählmannschaft schon eine kleine Herausforderung. „Für Leute wie uns wurde Thermo-Unterwäsche erfunden“, sagt Uwe Thieme schmunzelnd.

Warum ausgerechnet im kalten Winter gezählt wird, dafür gibt es eine einfache Erklärung: „Der Winter ist die beste Zeit zur vollständigen Erfassung der heimlichen Vögel“, so die eifrigen Vogelkundler des NABU. „Bei Schnee sind die Rebhühner viel besser sichtbar als sonst.“ Während nämlich normalerweise das braun gefleckte Gefieder wie eine Tarnkappe wirke, könne man die Feldbewohner nun als dunkle Punkte auf den schneebedeckten Äckern entdecken. Bei der Suche verwenden die Zähler High Tech: Mit einer Speziallampe, die über 300 Euro kostet, gelingt es, die Tiere sehr schnell und zuverlässig ausfindig zu machen. „Der Trick ist, dass die Augen wie Diamanten funkeln“, verrät der Rebhuhnforscher Eick. Er hat diese Methode in den letzten Jahren weiterentwickelt und ist sich sicher, dass es wohl die genaueste Art der Erfassung ist. „Auf Entfernungen von mehr als 200 Metern wird jedes Tier gefunden, manchmal sogar auf noch größere Distanzen.“ Außerdem setzt das Team Digitalkameras ein. „Mit der lichtempfindlichen Optik können wir auch mitten in der Nacht Bilder machen, auf denen wir dann die einzelnen Tiere auszählen können“, so Eick, „dabei lassen sich sogar die Geschlechter voneinander unterscheiden.“ Auf diese Weise gelinge eine sehr gute Einschätzung der Gesamtpopulation und eine Analyse des Bruterfolgs im Vorjahr. „Wir können recht gut ablesen, ob es große oder kleine Gelege gab und wie gut die Hühner durch das Jahr gekommen sind. Manche Paare waren sehr erfolgreich und haben rund ein Dutzend Küken groß gezogen, aber immer wieder sehen wir auch nur kleine Gruppen mit nur vier oder fünf Hühnern“, berichtet Karl Grzimek. Anhand der Individuenzahlen ist auch eine Prognose für die kommende Brutsaison möglich. „Die Zahl der Hennen ist dann die maximale Brutpaare im Frühjahr“, sagt Uwe Thieme, „meist liegt sie aber darunter, denn bis zur Brutzeit ab April kann noch allerhand passieren.“

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Was da so einfach klingt, ist in der Praxis harte Arbeit mit vielen Stunden Außeneinsatz auch bei Schnee und Eis und klirrender Kälte. Doch die drei sehen sich dem Schutz des Rebhuhns verpflichtet: „Wir wollen, dass diese wundervolle Vogelart hier überleben kann, denn je mehr wir über diese Tiere erfahren, desto mehr kommen wir ins Staunen über sie.“ Was für die Zähler gute Bedingungen sei, bedeute eine schwierige und gefahrvolle Zeit für die Hühner. Thieme, der sich in früheren Jahren auch schon als Falkner betätigt hat weiß: „Der Habicht kann die Hühner bei Schnee natürlich auch viel besser sehen und jagen.“ Auch der Fuchs, der nachts über die Felder schnüre, könne die ruhenden Vögel besser aufstöbern. Doch die Familienverbände der Rebhühner, in der Jägersprache auch „Ketten“ genannt, geben Schutz. „Zwanzig Augen sehen mehr als zwei“, sagt Eick. Verluste durch Beutegreifer seien relativ selten. Den Rebhuhnforschern gelang sogar die Aufnahme von zwei Füchsen, die nur wenige Meter von sieben Rebhühnern das Feld absuchen. Ein Feldhase, der friedlich und völlig entspannt daneben sitzt, vervollständigt die bemerkenswerte und einmalige Szene.

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Leider spielen sich andere Szenen mittlerweile täglich auf fast allen Feldern ab, beklagen die Wildtier-Experten: „Hunde ohne Leine rennen auf die Äcker und scheuchen Hase und Huhn“, so Karl Grzimek, der über die zahlreichen Störungen verärgert ist. Spät am Abend, ganz früh, wenn es noch dunkel ist und sogar mitten in der Nacht werde das Schmidener Feld förmlich heimgesucht von Freizeitsportlern, die hier joggen, walken, Ski langlaufen oder sogar mit einem Hundeschlitten ähnlichen Gefährt trainieren.


 „Unsere freie Landschaft ist mittlerweile ein sehr intensiv zur Erholung genutzten Raum“, erklärt Michael Eick, „die hier lebenden Wildtiere stehen unter einem enormen Druck. Zu viele Störungen und eine veränderte Bewirtschaftung können das Aus für ganze Art bedeuten.“ Das Rebhuhn habe es bis hierher geschafft, sich an die speziellen Bedingungen hier bei uns anzupassen. Nun müsse es auch gelingen, dieser mittlerweile selten gewordenen Vogelart das weitere Überleben zu ermöglichen. „Die Artenschutzkonzeption der Stadt Fellbach ist hierfür die richtige Grundlage“, lobt der Sprecher des NABU Fellbach, „sie muss jetzt nur möglichst rasch umgesetzt werden, denn sonst kommt der Rettungsversuch fürs Rebhuhn zu spät.“ Es müssten alle ihren Beitrag leisten, die Kommune, die Landwirtschaft, Jäger und Naturschützer, aber auch die allgemeine Bevölkerung. „Wir wünschen uns, dass die wildlebenden Tiere respektiert werden und Ruhezonen haben, in denen sie ungestört sind.“ Momentan sei das ein zunehmendes Problem, so Eick. Es werde mittlerweile fast jeder Grasweg genutzt, die alltägliche Störung sei nicht mehr nur punktuell, sondern schon fast flächendeckend. „Bei einer Fluchtdistanz von etwa 30 bis 50 Metern und unserer hohen Wegedichte auf den Feldern, wird es für das Rebhuhn langsam ziemlich eng“, rechnet der Biologe vor. „Die tatsächlich nutzbare Lebensraumfläche wird immer kleiner und reicht irgendwann nicht mehr aus, die Tiere wandern ab.“

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Wie sich die Störungen im Detail auswirken, welchen Stress sie konkret auslösen, auch ob und wohin die bedrohten Bodenbrüter ausweichen, das soll ein Forschungsprojekt in den nächsten Jahren ergründen. „Wir planen die wissenschaftliche Klärung einiger noch offener Fragen zum Beispiel mithilfe kleiner Minisender, die ein punktgenaues Auffinden der Tiere möglich machen“, berichtet Eick. Erste Anfragen von zwei Masterstudenten gebe es schon. „Wir stricken im Moment ein Konzept und haben einen Antrag beim Regierungspräsidium gestellt.“ Aber wie so oft bei solchen Vorhaben sei die Finanzierung des Projekts noch nicht gesichert, bedauert der Biologe: „Sponsoren für unsere Forschungsarbeit sind herzlich willkommen.“

Info:
Unterstützer des NABU-Projekts „Rettet das Rebhuhn“ dürfen sich gerne über unser
Kontaktformular oder unter der Telefonnummer 0711-99322112 melden. Spenden können auch direkt auf das Konto des NABU Fellbach überwiesen werden: Kontonummer 2044019 bei der Sparkasse Waiblingen, BLZ 602 500 10. Interessierte Spender und Sponsoren dürfen dann auch einmal exklusiv bei den Rebhuhnzählungen mit dabei sein und die seltenen Vögel „live“ erleben.

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