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Der eleganteste Flieger über dem Hartwald
Im Vogelschutzgebiet lebt ein nur wenig bekannter Falke

Er ist eine nur flüchtige Erscheinung. Wie ein Blitz schießt der schlanke Vogeljäger über den Himmel. Im schnittigen Sturzflug saust er seiner Beute hinterher. Sein Flugvermögen ist so hervorragend, dass es ihm gelingt, sogar Mauersegler - als die perfekten Flieger schlechthin bekannt - zu erbeuten. Die Rede ist vom Baumfalken. Dieser weitgehend unbekannte Falke ist einer der bedeutendsten Brutvögel im Bereich des Vogelschutzgebietes Hartwald.

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Nicht nur seine rasante Flugweise macht eine Beobachtung dieses Falken zu einem rasch vorübergehenden Naturerlebnis. Auch die Tatsache, dass er sich nur wenige Monate im Jahr bei uns aufhält, führt dazu, dass man diesen Vogel nur recht selten zu Gesicht bekommt. Dazu kommt noch, dass er bei weitem der seltenste der drei bei uns vorkommenden Falken ist.

Der Baumfalke (wissenschaftlich: Falco subbuteo) ist etwa so groß wie ein Turmfalke, hat aber einen kürzeren Schwanz und schmalere, fast sichelförmige Flügel. Im Flug erinnert er daher an einen übergroßen Mauersegler. Von der Färbung her ähnelt er ein wenig einem jungen Wanderfalken: oberseits dunkelbraun bis schiefergrau, die helle Vorderseite mit dunklen Längsflecken gezeichnet. Der dunkle Kopf ist mit einem weißen Kragen vom Körper abgesetzt, hierbei leuchtet vor allem der weiße Backenstreif heraus, der auch im Flug gut zu sehen ist. Bei optimaler Sicht fällt ein weiteres Merkmal auf: die rostroten „Hosen“, wie Unterschwanzdecken und Beinfedern genannt werden. Jungvögeln fehlt diese charakteristische Färbung noch. Sie sind insgesamt bräunlicher, die enger gestreifte Bauchseite rahmfarben.

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Während der fast allgegenwärtige Turmfalke häufig zu sehen ist, wie er auf Feldern nach Mäusen jagt, fängt der Baumfalke wie der größere und massigere Wanderfalke seine Beute ausschließlich in der Luft. Neben verschiedenen Vogelarten sind dies auch große flugfähige Käfer wie Maikäfer, fliegende Heuschrecken oder Libellen. Dank seiner enormen fliegerischen Fähigkeiten entkommt ihm kaum eine Beute. Diese wird sogar oft noch in der Luft verspeist.

Als Nestunterlage benötigt der Baumfalke alte Krähennester, meist in Koniferen wie Kiefern oder Fichten, da er wie alle Falken keinen eigenen Horst errichtet. Den Nistplatz sucht er sich in der Regel immer in der Umgebung des vorjährigen Nestes aus. Das geschieht allerdings erst gegen Ende April, mitunter wartet er das Ausfliegen der jungen Krähen ab, um dann das Nest in Beschlag zu nehmen. Denn der Baumfalke ist ein Zugvogel und kommt erst relativ spät im heimischen Brutgebiet an. Die Neststandorte sind häufig in kleinen Feldgehölzen oder an Waldrändern oder im Bereich großer Lichtungen.

Genauso ist es auch in Oeffingen. Hier hat ein Baumfalkenpaar ein altes Krähennest in einer Fichtengruppe im Bereich des Scillawaldes besetzt. Ein weiteres Paar hielt sich im östlichen Hartwald auf. Eine so enge Nachbarschaft von zwei Baumfalkenpaaren ist fast eine kleine Sensation, denn in ganz Baden-Württemberg brüten etwa knapp 200-250 Brutpaare, deutschlandweit weniger als 3000. Den Brutplatz verteidigen die Falkeneltern dann vehement gegen Reviereindringlinge und gefährliche Besucher wie zum Beispiel den Habicht. Mit Sturzflugattacken werden unliebsame Gäste so lange bedrängt bis sie weiterfliegen.

Nach einer Brutzeit von rund drei Wochen schlüpfen die Jungen Anfang bis Mitte Juni. Tagsüber ist es oft erstaunlich ruhig um den Baumfalkenhorst, denn der Nachwuchs wird vorwiegend in den frühen Morgen- und späten Abendstunden gefüttert. Mit zunehmendem Alter werden die Jungen unternehmungslustiger, sie verlassen das Nest sobald sie das Dunengefieder abgelegt haben und die ersten Schwungfedern gewachsen sind. Sie werden im Bereich des Horstes noch den ganzen Sommer lang von den Eltern versorgt, wobei das Männchen nach wie vor den Großteil der Aktivitäten übernimmt. Das Weibchen tritt während dieser Zeit nicht so aktiv in Erscheinung, bleibt aber in der Umgebung und hält dabei meistens Wache. Gegen Ende August können die Jungen nicht nur richtig fliegen und Futter von den Eltern in der Luft übernehmen, sie können mittlerweile auch selber Beute machen. Meist sind es noch größere Insekten, die sie erwischen, doch schon bald werden sie auch den ersten Kleinvogel fangen. Im Spätsommer, wenn bereits viele Vögel ihren Weg in die südlich gelegenen Winterquartiere begonnen haben, nutzt der Baumfalke damit ein enormes Überangebot an Beute und zieht teilweise mit den Vogelschwärmen nach Afrika, wo er südlich der Sahara überwintert.

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Im Winterquartier ernährt er sich jedoch überwiegend von Heuschrecken und schwärmenden Termiten, zwei der wichtigsten Nahrungsquellen für viele europäische Wintergäste in Afrika. Ein gewaltiges Problem bereitet allerdings der Mensch all jenen Arten, die auf dieses riesige Angebot an Insektennahrung angewiesen sind, indem er die großen Heuschreckenschwärme mit DDT und anderen hochgiftigen Insektiziden bekämpft. Während diese auch für den Menschen gefährlichen Insektizide bei uns seit Jahrzehnten verboten sind, werden sie immer noch in Länder Afrikas exportiert und vernichten dort unzählige überwinternde europäische Vögel.

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So bleibt nur zu hoffen, dass die Fellbacher Baumfalken, die in den nächsten Tagen ihre weite Reise antreten, im nächsten Frühjahr unbeschadet zurückkehren.

(Alle Bilder: Michael Eick)

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