Vortrag über den Eisvogel am 4. Februar 2009
Der fliegende Edelstein braucht lebendige Flüsse
Vortrag des NABU zum Vogel des Jahres – Eisvögel bald in Fellbach?
Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) und der Landesbund für Vogelschutz (LBV) haben den Eisvogel zum „Vogel des Jahres 2009” gekürt. In einem Vortrag des NABU Fellbach wurde der Vogel, der wegen seiner Schönheit und Farbenpracht gern als „fliegender Edelstein“ bezeichnet wird, nun vorgestellt. Der Eisvogel steht für lebendige Flüsse und natürliche Auen und die Naturschützer hoffen ihn künftig entlang des Neckars wieder häufiger zu sehen. Konkret schlägt der Fellbacher NABU ein Projekt an der Weidachmündung vor.

Fotonachweis: NABU/E. Winkler
Text: Bis auf den letzten Platz gefüllt war das NABU-Zentrum Hönle-Ranch beim Vortrag über den Vogel des Jahres am 4. Februar 2009.
Viele kennen ihn nur aus der Werbung für Bier oder Mineralwasser. In freier Wildbahn haben ihn noch die wenigsten gesehen. Das liegt natürlich nicht an seinem bunten Gefieder, sondern daran, dass er nur selten bei uns vorkommt. Hauptsächlich deswegen haben NABU und LBV den Eisvogel erneut nach 1973 zum Jahresvogel gekürt und nicht nur wegen des 100jährigen Bestehens des LBV in Bayern, in dessen Logo der wunderschöne Vogel zu sehen ist. Denn auch nach 36 Jahren hätten die damaligen Forderungen beiden Umweltverbände bis heute nichts an Aktualität verloren, erklärte Vogelkundler Michael Eick in seinem Vortrag beim NABU Fellbach: „Der Eisvogel braucht sauberes Wasser, naturnahe Bäche, Flüsse und Seen sowie artenreiche Talauen. Nur dort kann er seine Nahrung, überwiegend Kleinfische, fangen, und nur an natürlichen Ufern findet er Steilwände für die Anlage seiner Brutröhren.“ Doch genau diese Lebensräume sind in Deutschland trotz mancher Fortschritte im Gewässerschutz immer noch Mangelware. „Das Umweltbundesamt stuft derzeit nur zehn Prozent unserer Fließgewässer als naturnah ein“, berichtet Eick. Trotz mancher Verbesserungen zähle daher die naturnahe Umgestaltung vieler Gewässer nach wie vor zu den vorrangigen Aufgaben des Natur- und Umweltschutzes.
Während deutschlandweit der Bestand auf etwa 5.600 bis 8.000 Brutpaare geschätzt wird, leben in Baden-Württemberg aktuell nur 300 bis 400 Brutpaare. Damit ist der Eisvogel nirgends häufig. Die Gründe für diese geringe Population liegen hier im Südwesten der Republik vor allem in der Begradigung von Bächen und Flüssen sowie der Zerstörung von Steilufern in der Vergangenheit. „Jeder kennt das streckenweise trostlose Betonufer des Neckars“ klagt der NABU-Mann. „Hier gibt so gut wie keinen Lebensraum, wo soll er denn brüten?“
Dazu kommt, dass in strengen Wintern viele Gewässer zufrieren und dann viele Eisvögel verhungern müssen. Die Gefährdung durch das Eis könnte dem Eisvogel sogar seinen Namen eingebracht haben (siehe Hintergrund). Wenn der Eisvogel im Frühjahr erfolgreich brütet, kann er jedoch die Verluste durch den Winter wieder ausgleichen. „Gerade deshalb ist es wichtig, dass wir dem Eisvogel einen intakten Lebensraum und die Chance auf eine erfolgreiche Brut zugestehen“, erklärt Eick. Eine Gewässerpolitik für naturnahe Flüsse, die dem Eisvogel nützt, sei auch ein wirkungsvoller Hochwasserschutz und komme der Natur und den Menschen, die an Flüssen leben, zugute. „Wollen wir dem Eisvogel dauerhaft eine Heimat bieten, brauchen wir lebendige Flüsse.“
Der NABU kann sich vorstellen, dass in Fellbach künftig ein Lebensraum dazu kommt. Hier ist der Eisvogel bisher nur sehr seltener Gast. Die Umgestaltung des Neckarufers im Bereich der Weidachmündung stelle eine einmalige Chance dar. Hier könne man nach den Vorstellungen des Naturschutzbundes ohne großen Aufwand einen Brutplatz für den Eisvogel einrichten. „Alles, was man dazu braucht, ist eine kleine Steilwand“, sagt Eick. Im Verbund mit den Teichen, die durch den Rückbau des Klärwerks entstehen und einem renaturierten Neckarufer entstünde ein optimales Eisvogel-Revier. „Wir möchten gerne, in die Planungen miteinbezogen zu werden“, so der NABU.
Als der Eisvogel 1973 zum ersten Mal Vogel des Jahres war, waren seine Bestände und Brutplätze stark zurückgegangen. Hauptgründe waren massive Eingriffe in natürliche Gewässer durch wasserbauliche Maßnahmen, aber auch starke Wasserverschmutzung und häufige Störungen durch Erholungssuchende. Wirkungsvolle Abwasserreinigung hat die Qualität unserer Gewässer inzwischen deutlich verbessert. Auch die EU-Wasserrahmenrichtlinie setzte neue Impulse für den Gewässerschutz. Der Abwärtstrend des Eisvogels konnte so zwar gestoppt werden, jedoch hat sich der Bestand lediglich auf einem niedrigen Niveau stabilisiert. Um den aktuellen Bestand zu erfassen werden NABU und LBV 2009 eine bundesweite Bestandserhebung zum Eisvogel durchführen. Vielleicht wird auch Fellbach einer gezählt.
Info: Weitere Infos zum Thema finden Sie unter: www.vogel-des-jahres.de oder unter www.NABU-Fellbach.de. Um dem Eisvogel mit konkreten Projekten helfen zu können, benötigt der NABU finanzielle Hilfe. Spendenkonto bei der Kreissparkasse Waiblingen BLZ 602 500 10 Kontonummer 2044019, Stichwort „Eisvogel“.

Fotonachweis: NABU/M. Delpho
Text: Der Eisvogel ist einer der schönsten Vögel Europas.
Hintergrund – Woher der Eisvogel seinen Namen hat
Es ist paradox, aber der Eisvogel mag eigentlich gar kein Eis. „Längere Frostperioden bedeuten für viele Eisvögel den Tod. Wenn die Eisdecke geschlossen ist, kann der geschickte Jäger nicht mehr an seine Beute, kleine Fische, gelangen“, weiß Michael Eick, Ornithologe des NABU. Die künstliche Aufstauung von Bächen und Flüssen durch Wehre und Staustufen verschlimmert die Situation noch: Das Wasser fließt langsamer oder kommt gar ganz zum Stehen, weshalb sich umso schneller eine geschlossene Eisdecke bildet. Der Name des kleinen Vogels könnte also daher kommen, dass im Winter, wenn Flüsse und Seen im Land zufroren, plötzlich viele Eisvögel an Teichen in den Siedlungen jagten – diese blieben durch die geschützte Lage oder die ständige Wasserentnahme länger eisfrei. Die Menschen in den Dörfern sahen den schillernden Vogel also vor allem in frostigen Perioden und nannten ihn deshalb Eisvogel. Es gibt allerdings noch weitere Theorien um die Entstehung des Namens. Manche Deutungen leiten den Namen vom althochdeutschen „eisan“ für „schillern“ oder „glänzen“ ab. Die Bezeichnung „Schillervogel“ passt zum flirrenden Farbenspiel, das der Eisvogel im Sitzen und im Flug bietet. Andere Autoren interpretieren den Eisvogel als „Eisenvogel“ und vermuten einen Bezug auf das stahlblaue Rücken- oder das rostfarbene Bauchgefieder. Woher der Name des schönen Eisvogels also letztlich stammt, bleibt strittig.
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