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NABU schlägt Alarm: Rebhuhn so gut wie ausgestorben

Winterzählung des NABU belegt drastischen Bestandseinbruch ? Maßnahmen zum Erhalt der biologischen Vielfalt gefordert

Die aktuelle Rebhuhnzählung in Fellbach bringt ein erschreckendes Ergebnis zutage. Weniger als 50 Exemplare dieses seltenen Vogels konnte der NABU erfassen. Damit stehe diese Vogelart auch in Fellbach unmittelbar vor dem Aussterben. Der Naturschutzbund fordert daher dringend ein flächendeckendes Artenschutzprogramm. Nur mit gezielten Maßnahmen sei der Erhalt der biologischen Vielfalt auf den Feldern zu erreichen. Mit einer raschen Umsetzung müsse noch in diesem Jahr begonnen werden.

Der Schnee der letzten Tage brachte es an den Tag. Denn nur, wenn Äcker, Wiesen und Felder weiß sind, kann man Tiere entdecken, die ansonsten perfekt getarnt sind. Unter diesen Bedingungen zählt der NABU Fellbach tierische Bewohner der Felder rund um die Kappelbergstadt. Besonders auf Rebhühner hat es Michael Eick, ehrenamtlicher Vogelkundler beim NABU Fellbach, abgesehen. Er hat seit vielen Jahren Erfahrung mit diesen heimlichen Feldbewohnern.

 

Doch die frisch erhobenen Daten für dieses Jahr sind alarmierend, berichtet der NABU. Weniger als 50 Rebhühner konnten bei der Bestandsermittlung entdeckt werden. ?Das ist eine Katastrophe. Einen so niedrigen Bestand hatten wir noch nie seit hier gezählt wird.? Die meisten Flächen sind nach Angaben des Ornithologen absolut leer. Das Rebhuhn sei mittlerweile auf fast allen Feldern völlig verschwunden. Nur noch in 3 von 10 Zählgebieten konnten überhaupt Rebhühner gefunden werden. Damit hat die negative Tendenz der letzten Jahre einen absoluten Tiefpunkt erreicht. Neben dem Rückgang um 100 Prozent auf einigen Flächen ging der Bestand selbst in den Top-Gebieten um mehr als die Hälfte zurück ? Konjunkturkrise auch beim Rebhuhn. ?Dieser dramatischen Entwicklung muss endlich mit geeigneten Maßnahmen entgegengewirkt werden, so der NABU-Mann. ?Wir fordern ein Rettungspaket für das Rebhuhn. Seit Jahren bitten wir die Stadt um die Umsetzung eines gezielten Artenschutzprogramms, doch passiert ist noch nicht viel. Die Zeit läuft uns davon, wir müssen jetzt handeln, um den Negativtrend zu stoppen.? Nur vom Zuschauen könne laut NABU die biologische Vielfalt auf Fellbachs Feldern nicht erhalten werden. ?Das einzige, was wir dabei sehen würden, wäre das endgültige Aussterben des Rebhuhns und möglicherweise weiterer Arten. Wir reden da nicht von den nächsten zehn bis zwanzig Jahren, sondern von den nächsten zwei bis drei?, unterstreicht der Naturschützer die Dringlichkeit von Schutzmaßnahmen. ?Wenn das Rebhuhn bei uns verschwindet, so wäre das keine gute Werbung für Fellbach?, sagt Eick in Anspielung auf das Engagement der Stadt bei der CMT.

Noch vor wenigen Jahren war nach Angaben des NABU der ehemalige Allerweltsvogel um Fellbach herum weit verbreitet und relativ häufig. So konnte im ebenfalls schneereichen Winter 2005/2006 der Bestand auf genau 132 Exemplare bestimmt werden. Eick, der die Rebhühner seit über 10 Jahren regelmäßig zählt, ist sich sicher: ?Vor drei Jahren wurde vermutlich kein einziges Rebhuhn übersehen. Die Fehlerquote ist mit etwas Erfahrung und unter idealen Bedingungen äußerst gering.?

Für den Bestandsschwund kommen laut NABU mehrere Ursachen in Betracht: In erster Linie sei es der Verlust der Strukturvielfalt auf den Feldern in den letzten Jahren. ?Es verschwindet im einen Jahr hier eine Hecke, im anderen Jahr dort wieder eine Baumschulanpflanzung und plötzlich ist die Landschaft leer?, klagt Markus Wegst, Geograph und Vorstandsmitglied des NABU Fellbach. ?Der Verlust ist schleichend, aber über einen längeren Zeitraum sehr drastisch.? Als Folge verschwinden Tier- und Pflanzenarten, die früher zu den Allerweltsarten zählten, wie Feldhasen, Feldlerchen oder eben das Rebhuhn.

?Wir können nur davor warnen, die heimische Biodiversität für die Energieversorgung zu opfern?, mahnen Wegst und Eick. Diese Gefahr bestehe, wenn großflächig Monokulturen entstünden, etwa für Mais, der später in der städtischen Biogasanlage verwertet werde. ?Was beim ansonsten cleveren Energiekonzept fehlt, ist der Erhalt der Artenvielfalt.? Hier müsse dringend nachgebessert werden, fordert der NABU. Der Aufwand hierfür sei im Vergleich eher gering, könnte aber das Rebhuhn vor dem Aussterben bewahren.

Denn so weit will es der NABU in Fellbach nicht kommen lassen. ?Ideen und Vorschläge unsererseits gibt es schon seit längerem, doch die müssen jetzt rasch in die Tat umgesetzt wird, sonst ist es zu spät.? Die Tiere brauchen vor allem ungestörte Rückzugsflächen, Biotopstreifen und Buntbrachen, in denen sie sich verstecken können und Nahrung finden. ?So etwas ist mit ein bisschen gutem Willen und wenig Aufwand machbar?, meint Wegst. ?Es müssen halt alle an einem Strang ziehen, Naturschutz und Landwirtschaft, auch die Jäger, die Stadt und nicht zuletzt auch alle Menschen, die gerne auf den Feldern spazieren gehen.?

Denn die Wildtiere leiden unter einem weiteren Problem: Sie sind ständig auf der Flucht. Vor allem nach den winterlichen Treibjagden ist der Mensch als Todfeind gefürchteter denn je. So können auch Erholungssuchende, die normalerweise kaum stören, plötzlich ein Problem darstellen. ?Die Tiere sind ständig in Alarmbereitschaft und flüchten schon auf große Entfernung?, erklärt der Biologe Eick. ?Durch das enge Wegenetz gibt es praktisch überhaupt keine Ruhezonen, überall sind Menschen unterwegs.?

Diese dauernden Störungen können Wildtiere an den Rand des Überlebens bringen. Kalte und schneereiche Witterung ist für die Tiere normalerweise kein Problem. Gefährlich wird es jedoch, wenn die Vögel aufgescheucht werden. Jedes Mal, wenn die Rebhühner flüchten müssen oder sogar erschreckt auffliegen, verbrauchen sie überlebenswichtige Energiereserven. Passiere dies zu oft, etwa durch frei laufende Hunde oder Jogger könnten die Tiere an Erschöpfung eingehen. ?Die Felder sind teilweise extrem stark frequentiert, da ist es wichtig, sich an Regeln zu halten, im Interesse der Tierwelt, aber auch im Interesse anderer Spaziergänger?, erklären die beiden NABU-Vertreter: ?Hunde bitte anleinen und nur auf dem Weg laufen lassen. Mit ein bisschen Rücksichtnahme haben auch wilde Tiere eine Überlebenschance.?


Info: Bitte Beobachtungen melden!
Der NABU ist dankbar über weitere Hinweise zu Rebhuhnvorkommen in Oeffingen, Schmiden oder Alt-Fellbach. Rebhuhnbeobachtungen aus diesem Winter, können gerne beim NABU telefonisch (Telefonnr. 0711-99322112) oder über das Beobachtungsformular unter Angabe möglichst genauer Orts- und Datumsangaben gemeldet werden. Spenden für das Projekt ?Rettet das Rebhuhn? nimmt der NABU gerne unter der Kontonummer 2 044 019 bei der Kreissparkasse (BLZ 602 500 10) entgegen.


Hintergrund: Rebhuhnzählung im Winter

Rebhühner sind absolut standorttreu, sie ziehen nicht wie andere Vogelarten in den Süden. Auch in schneereichen Wintern können die an Kälte gewöhnten Rebhühner gut bei uns überleben. Schneit es etwa über Nacht, so bleibt der Schnee auf dem perfekt isolierenden Gefieder der Vögel einfach liegen. Anders als Schneehühner mausern Rebhühner nicht in ein weißes Wintergefieder. Sie graben auch keine Schlafhöhlen in den Schnee wie dies ihre Verwandten in den Alpen tun.

?Die Rebhühner sammeln sich dann, um mitten auf den Feldern gemeinsam zu übernachten?, weiß der Biologe Michael Eick: ?Sie kuscheln sich eng aneinander und wärmen sich gegenseitig.? Außerdem sind sie so vor Überraschungsangriffen besser geschützt und können herannahende Feinde in allen Richtungen rechtzeitig erkennen.

?Nur selten sind die Bedingungen zur Zählung der Tiere ideal. Man braucht eine geschlossene Schneedecke. Günstig ist Vollmond oder ein bewölkter Himmel, denn dann gibt es dank der Lichtverschmutzung durch die Großstadt Stuttgart genug Helligkeit, um die Tiere im Schnee auszumachen?, erklärt der Experte.

Die Zählmethode bringt zwar sehr genaue Ergebnisse, doch sie ist aufwändig. Denn einerseits braucht es dazu Schnee, andererseits kann man sie nur nachts durchführen. Die Vögel sind dann als dunkle Flecken auf dem weißen Untergrund gut zu sehen ? und zu zählen. Schwierig wird es jedoch bei grob gepflügten Äckern oder wenn der Schnee schon stellenweise geschmolzen ist. Auf solchen Flächen ist es fast unmöglich, die Tiere zu entdecken. ?Jeder verdächtige dunkle Fleck wird zweimal betrachtet. Das braucht Zeit.? Um die gesamten Felder rund um Fellbach abzusuchen, braucht Eick insgesamt mehr als 12 Stunden. Zwei bis drei Nächte ist er unterwegs, natürlich auch bei eisiger Kälte.

Ein kalter und schneereicher Winter ist jedenfalls kein Grund für einen Rückgang des Rebhuhns. Die einstigen Steppenvögel sind sehr robust und kommen mit Schnee und Kälte gut zurecht. Dank ihrer guten Tarnung und ihrer enormen Anpassungsfähigkeit konnten sie bei uns überleben. Doch die Veränderung in der Landwirtschaft schreitet immer noch mit riesigen Schritten voran ? zu schnell für das Rebhuhn und viele andere Tierarten. In Fellbach ist der Kiebitz vor etwa 15 Jahren ausgestorben. Das Rebhuhn könnte der nächste Kandidat auf dieser Liste des Artensterbens werden, in vielen Gemeinden Baden-Württembergs ist das bereits heute traurige Realität.

 


Foto (M. Eick) - Rebhuhnfamilie im Winter ? mittlerweile ein seltener Anblick.

 

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